Differenziert: Weblog-Monitoring
Posted on | April 19, 2006 | 4 Comments
Djure hat den Kasus Johannsen + Kretschmer und die Bildrechte von Don Alphonso aus seiner Sicht noch einmal aufgearbeitet.
Lesenswert, weil er – neben einer generellen Kritik an der Fokussierung der Treibjagd auf die Mitarbeiterin der Agentur – die Sicht eines Medienbeobachters hinzufügt. Und: Hinzufügen kann. Schließlich weiß er, wovon er spricht.
Aus seiner Sicht das legitimere Opfer:
[...] wäre die Agentur J+K als solche gewesen; besser noch der versammelte Teil der PR-Industrie, der mit J+K in dieses verschrobene Weblog-Krisen-Horn tutet.
Ich stimme zu. Und das als PR’ler. Warum?
Weil die Blogosphäre tatsächlich oft genug als Door-Opener à la “Da gibt es ein immenses Krisenpotential! Sie müssen vorbereitet sein!” genutzt wird, überschaue ich die Websites vieler Agenturen. Wie Djure, halte ich die Chancen, welche die Blogosphäre zu einem Dialog bereit hält für wesentlich bedeutender!
Djure geht noch weiter und stellt eine These auf:
dass in Bloghausen Krisen nicht künstlich herbeigeredet werden können. Alle mir bekannten Krisenfälle beruhten auf Problemen, die von den Betroffenen hausgemacht waren. Dieses blöde Fahrradschloss war tatsächlich falsch konstruiert, Jamba hatte und hat immer noch fragwürdige Geschäftmodelle und unerträgliche Werbung, Herr von Matt hat höchstselbst die Klowände ins Gespräch gebracht… Krisen, die durch böswillige Blogger ausgelöst und erfolgreich verbreitet wurden, gibt es hingegen nicht.
Und auch hier stimme ich ihm zu. Voll und ganz.
David Weinberger hat es auf seinem Vortrag in Hamburg so skizziert:
Die Meinungen über ein bestimmtes Produkt oder Unternehmen existieren. Wer ein Produkt oder Unternehmen kennt, hat dazu auch eine Meinung. Je besser er es kennt, desto ausgereifter ist seine Meinung. Und wenn ein Produkt oder Unternehmen Schwächen hat - ob Materialfehler oder Praktikantenhungerlöhne -, dann werden darüber Meinungen auch ausgetauscht. Die Blogosphäre ist dafür ebenso ein Ort, wie der Marktplatz, der Schnack am Gartenzaun oder Kneipentisch, das Forum oder Klassenzimmer.
Via Blogs, wo jeder kommentieren und durch Trackbacks Diskussionen “umziehen” lassen kann, eröffnet sich eine neue Dimension des Dialoges. Eine Möglichkeit, in einen Dialog einzutreten! Noch einmal: Chance statt reinem Krisenpotential.
Den Part “Blog-Monitoring” lest Ihr am besten direkt bei Djure. So gut könnte ich das nicht zusammenfassen.
Comments
4 Responses to “Differenziert: Weblog-Monitoring”
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April 19th, 2006 @ 13:49
Wow! Danke für die Blumen.
April 19th, 2006 @ 17:43
Um hier den Legenden vorzubeugen (ich schreibe auch nich was dazu): Ich habe bei den weiteren Schritten sehr genau darauf geachtet, die Sache von den beiden Autoren loszulösen, sprich, bei mir sind sie seit freitag aus der Schusslinie der Beiträge. Das Problem bei der Personalisierung durch die Agentur war, dass es seit dem Moment ihres Kommentars auf meinem Blog nicht mehr ganz ging, die Kommentatoren haben sich – logischerweise – auf beide eingeschossen.
Dass die Agentur die Mitarbeiter dann am Donnerstag so gegen 19 Uhr kaltstellt und bis Dienstag Abend kein Wort sagt, obwohl die Angebote da sind und sie wissen, dass ihre Leute nach Stand der Dinge als Lügner mit ihrem Namen drin stehen, ist ganz klar die Schuld der Agentur. Ich habe zu krasse Kommentare gelöscht und zensiert, und wer gestern gelesen hat, weiss, dass ich angekündigt habe, die Namen in den nächsten Tagen rauszunehmen.
Ich bitte diese Informationen dringend zu berücksichtigen. Mein Verhalten mag manchmal sehr hart erscheinen, aber ich passe schon auf, dass es im Rahmen bleibt. Nur werde ich nicht alles und jeden zensieren, wenn ein Disput mässige Schräglage hat.
April 19th, 2006 @ 18:43
Don, danke für die Richtigstellung, der ich auch nichts entgegensetze. Habe ja in meinem ersten Posting (wie Djure in einer Nachbemerkung ebenso) darauf hingewiesen, dass nicht Du die Mitarbeiterin bei der Treibjagd bevorzugt hast. Klar, das besorgen Kommentatoren – wehe, wenn sie losgelassen -, wobei Du auch hier deutlich die Zügel in den Händen behieltst.
Schade, definitiv, dass sich die Agentur nicht vor ihre Mitarbeiter gestellt hat. Aber da sie ja auch ansonsten die Möglichkeiten eines Dialoges nicht genutzt haben, passt das in das Bild.
Was ich bemerkenswert finde – durchaus im ambivalenten Sinn -, ist, wie investigativ und schnell Blogger/Kommentatoren an relevante Infos kommen (gut, teilweise im Netz), während auf der anderen Seite die Verantwortlichen anscheinend nicht in der Lage waren, Dich vor der "Nutzung" des Bildes einmal auch nur grob zu "scannen". Aber da müssen noch einige einiges lernen… ;-)
April 21st, 2006 @ 09:51
[...] Djure Meinen von pressrelations hat in seinem Blog 50Hz einen sehr guten Beitrag (”Wege aus der Krise: Entspannt Euch!”) über das Thema Krisen-PR und Blogmonitoring geschrieben. Anlass für den Beitrag scheint eine “Konversation” zwischen Don Aphonso (“Rebellmarkt”). Mitarbeitern der Agentur Johanssen + Kretschmer, Björn Hasse von Edelman (“Formsache”, gutes Fach-Blog übrigens), sowie anderen Aktiven aus der Blogosphere. Zu lernen gibt es eben einiges zum Thema: Wann entstehen Krisen (überhaupt)? Kann/muss man alles monitoren? Welche Schwierigkeiten ergeben sich dabei? Ganz nah an der Praxis. [...]