reine Formsache

Notizen, Alltag, etwas PR, viel Entspannung

Eine Lanze für die Freundin?

Posted on | Mai 11, 2006 | 23 Comments

Nein, von Berufs wegen befasse ich mich eher mit der DAZ oder Medical Tribune. Ich liebe den Deutschen Dermatologen, weil der Name für mich irgendwie mit dem Trierischen Volksfreund harmoniert.

Die Freundin lese ich nicht. Doch, ich gebe es zu: manchmal sehe ich mir die “medizin”-Seiten an (Man weiß ja nie, ob die emsigen Medienbeobachter nicht mal etwas übersehen, und die Konkurrenz gerade eine Mega-Kampagne fährt).

Dass ich mich dennoch jemals zum irgendwie geratenen moralischen Verteidiger der Freundin entwickeln könnte, lässt mich den Kopf ein wenig schütteln und hoffen, dass das Nuf doch noch die Welt von Neuem erklärt.

Die Freundin, 14-tägiges Druckerzeugnis mit vielen Bildern innen und glänzender Titelseite außen (sowohl die Bilder innen als auch die Titelseite außen zeigen dem Betrachter zügig, für welche Zielgruppe sich das Medium präsentiert), ist kein unbekanntes, ist ein viel gelesenes, ist eines, das schon früh mit einer Online-Koexistenz aufwartete.

Nun kennt man vielleicht nicht unbedingt für jedes Medium die Zusammenhänge zwischen Print- und Online-Redaktion, des Öfteren wird man aber deutliche Zusammenhänge erkennen können. Nein, müssen, denn schließlich schreiben beide für ein und dieselbe Leserschaft.

Da startet nun – die Freude meinerseits ist groß – die Freundin auch Blogs, vielleicht, weil die Technik auch für die eigene Leserschaft interessant scheint, vielleicht, weil auch andere äquipotente Medien dies machen – mal ehrlich: Warum auch immer, den Versuch, den Start, ich finde das gut (klingt so herrlich subjektiv wie es ist).

Wenn ich an meine ersten Blogergebnisse und -erlebnisse denke, bin ich froh, dass mich nicht direkt Jemand abgewatscht hat, aber klar, die Freundin ist größer, ist bekannter, ein Name, ein Verlag steht auch dahinter, und die Kritik fällt dann schon schnell mal ein paar Kategorien höher aus, wuselt hin und her:

Wer nicht verlinkt, der ist doof. Wer verlinkt, der ist ein Trackback-Sauger. Wer bezahlt, der bezahlt zu wenig (andere Baustelle), wer nicht bezahlt, der macht etwas falsch (Vielleicht, man weiß nicht so genau). Wer anonym postet, der ist ein Fake, und wer für eine Frauenzeitschrift vor dem Fotoshooting eine Szenerie stellt, der fälscht Hintergründe. Oder so. Um aber auch weiter zu spiegeln: Wer die Blogs kritisiert, der sieht Frauen lieber Nähen und Kochen, wer Texte abändert, der zensiert.

War vielleicht nicht alles, aber das unwesentliche Wesentliche.

Vielleicht lässt sich der Disput mit Robert Gernhardt besser zusammenfassen:

Wär’ dieser nicht dem Elch vergleichbar,
der tief im Wald und unerreichbar
nach Wurzeln, Halmen, Stauden sucht
und dabei stumm den Tag verflucht,
an dem er dieser Erde Licht…
Nein? Nicht vergleichbar? Na, dann nicht!

Mein Gott, lasst ihnen ihr Ausprobieren und Testen, lasst den A-Bloggern ihr Herumgepiekse, werdet nicht zu persönlich und wartet doch einfach mal ab, was sich da noch alles tun wird.

Comments

23 Responses to “Eine Lanze für die Freundin?”

  1. dieter petereit
    Mai 11th, 2006 @ 10:37

    Guter Beitrag. Sehe ich genauso, bis auf ein kleines Detail. Du schreibst:

    lasst den A-Bloggern ihr Herumgepiekse

    Ich kann das aber leider mittlerweile nicht mehr als Gepiekse erkennen, sondern empfinde das als völlig inakzeptabels Hauen und Stechen. Die das betreiben sind Hooligans. Nicht anders als die, die damals diesen französischen Polizisten nach einem Fußballspiel ins Koma gedroschen haben. Bloß eben virtuell.

    Wir können froh sein, dass diese “Kultur” der Alphonsos bislang nicht ins alltägliche Leben übergeschwappt ist.

  2. Björn Hasse
    Mai 11th, 2006 @ 10:56

    Naja, deeskalierend wirkt ein solcher Kommentar sicherlich nicht. Oder? ;-)
    Solange es nicht zu persönlich wird – die Grenzen des Persönlichen definieren sicherlich alle etwas anders – ist mir Rede und Gegenrede recht. Streitkultur ist ein durchaus unterentwickeltes Kulturgut in unseren Landen, in Klein-Bloggersdorf manchmal eben ebenso.
    Das rhetorische Mittel des Vergleiches – immerhin ein Anfang einer Debattierkultur! – einzusetzen, prägt derzeit diese Diskussion mit Fremdschämungstendenzen. Vergleiche allerdings, die teilweise doch nicht zu schön sind. Worunter ich Deinen “Hooligan”-Vergleich ebenso setzen würde.
    Vielleicht einfach ein Fall für die Blogdiplomatie – Patrick, übernimmst Du!?

  3. dieter petereit
    Mai 11th, 2006 @ 11:08

    Du hast Recht. Deeskalierend wirkt das sicher nicht. Und der Hooligan-Vergleich ist schon heftig. Andererseits werfen diejenigen, um die es dabei geht, weit freigiebiger mit Ausdrücken wie Nuttensau und anderen nicht weniger heftigen um sich.

    Von daher hält sich mein schlechtes Gewissen in deutlichen Grenzen…

  4. Björn Hasse
    Mai 11th, 2006 @ 11:14

    Gut, beide Seiten agieren herrlich. Das bleibt festzuhalten.
    Vielleicht wäre ja ein “Streitkultur-Workshop für A-Blogger und solche, die es werden wollen” eine Marktlücke?
    Alternativ bleiben wir wohl alle eher beim guten Wolf Ruede-Wissmann und seinem “Auf alle Fälle Recht behalten“… ;-)

  5. mark793
    Mai 11th, 2006 @ 11:35

    Für mich ist das Blogdingens in erster Linie ein Technikdingens.

    So schrieben Sie dazu an anderer Stelle. Kann man so sehen – nur wird man mit diesem eingeschränkten Blickwinkel nicht erkennen können, warum sich an einer vordergründigen Petitesse wie den “freundin”-Blogs so ein “clash of civilisations” entzündet.

    Wegen mir, der ich als Journalist und Blogger halbwegs in beiden Welten zuhause bin, müsste es diesen Konflikt so nicht geben. Aber ich verstehe ansatzweise, warum manche Blogger die Verlagsblogs (im übertragen Sinn) als Versuch der Gegenseite sehen, das “ancien régime” zu restituieren. Das heiß nicht, dass ich die Jakobiner-Rhetorik der noerglers und Konsorten für angemessen halte.

    Aber ich sehe manche Verlagsblogs schon als eine Art Simulation von Revolution light, bei der die Betreiber darauf spekulieren, dass die Blogger brav ihre Bahnsteigkarte lösen und nicht über den Rasen stiefeln.

    Das kanns für mich irgendwie auch nicht sein. Da bleib ich lieber draußen im richtigen Dschungel. Und ich darf sagen, dass ich mich speziell mit dem Herrn noergler auch schon mal so richtig heftig verbal geprügelt habe. Und wissen Sie was? Ich hatte Spaß dran, wie ich zu meinem Schrecken feststellen musste.

    Bloggersdorf ist nun mal kein Ponyhof, und wenn sich ein Verlag mit großer Fanfare auf dieses Terrain vorwagt, dann muss er damit rechnen, dass seine Vorhut unter Beschuss kommt.

  6. Björn Hasse
    Mai 11th, 2006 @ 11:50

    Richtig, “Technikdingens”. Und zu allererst macht es mir diese Definition einfacher, Artikel im ein oder anderen Printmedium mal wieder zu belächeln, wenn mal wieder “der Blogger an sich” als Krisenquelle, etc. angesehen wird. Diesen gibt es nicht, da sind wir uns bestimmt schon mal einig. Es bloggen Schüler, Saftproduzenten, IT’ler, Werber, Juristen, Kaffeehaus-Freunde und nun: eben auch Verlagsmitarbeiter bzw. “freie” für Verlage. Grundsätzlich: Verlage bloggen nicht. Es bloggen höchstens Menschen, die dort arbeiten. Und dann menschelt es eben auch mal hin und her.
    Ja, ich kann es verstehen, wenn der ein oder andere es kritisch sieht, dass auch “die Großen” oder “das Establishment” sich der Technik bedient. Vielleicht sogar, weil sie gesehen haben, dass es bei uns, den Kleinen, auch läuft.
    Aber ein wenig fühle ich mich an meine Jugend erinnert (mein Gott, da klinge ich gleich älter…), wo es Mitschüler gab, die nur so lange “Nirvana” hörten, bis die breite Masse die gleichen CDs hatte. Dann war es langweilig. Mainstream.
    Mainstream wollen wir nicht werden, müssen wir aber auch nicht, nur weil Mainstream-Media das Konzept – die Technik – adaptiert. Und ich bleibe ein wenig dabei: Wenn wir es zuallererst auf die Technik reduzieren, dann sind wir eben nicht “verdrängbar”, brauchen keine “Bahnsteigkarte”, denn wir nutzen die Technik für unsere Welt des Dialoges und der Links, schimpfen, streiten und hypen, bloggen ums Lagerfeuer von Klein-Bloggersdorf, und die anderen, na die nutzen die Technik eben für ihre Zielgruppen-adäquaten Marketingmaßnahmen.

  7. dieter petereit
    Mai 11th, 2006 @ 11:52

    Klingt wie Krieg. Sollte es aber nicht sein. Ich dachte, wir hätten als zivilisiertes Völkchen einen Grundkonsens in der Frage des Umgangs miteinander. Dabei kann es hart zur Sache gehen, wo es muss oder sollte. Aber der Anstand sollte gewahrt bleiben. Man nennt das ja nun auch Streitkultur. Typen wie der noergler zB (der sich im übrigen nicht mal identifiziert) pöbeln aber nur rum. Da gibt es gar keine Basis für einen inhaltlichen Streit.

  8. Björn Hasse
    Mai 11th, 2006 @ 12:00

    Na, und doch nicht schon wieder eine Verunglimpfung!?
    Nein, am Lagerfeuer unseres Dorfes darf man auch mal nörgeln. Mache ich auch gerne. Pöbeln ist weniger nett, stimmt schon, aber das gibt es eben auch.
    Im Dschungel Bloggersdorf ist durchaus viel erlaubt, ansonsten wird schon mal getrieben und gebasht, die Auseinandersetzungen sind roh (aber kurzweilig mitzulesen).
    Nur, klar, den Neuankömmling Verlagsmitarbeiter-oder-Freier-der-die-ersten-Schritte-tut, den muss man nicht zerpflücken. Und er sich nicht zerpflücken lassen. Contenance! Contenance!
    Da wäre ein Konsens nett. Das stimmt.

  9. Patrick Breitenbach
    Mai 11th, 2006 @ 12:13

    Also dieser Hooligan-Vergleich… brauchen wir wohl nicht mehr drüber reden.

    Zu der Freundin-Diskussion – aus der diplomatischen Position: Ich denke, den Freundin-Blogs konnte doch gar nichts besseres passieren. Sie sind mitten im Gespräch, mitten im Dialog mitten in der Aufmerksamkeit. Das Ganze mit dem entscheidenen Vorteil, dass sich auch Fans bilden konnte und das Freundin-Projekt – wie hier – entsprechend verteidigen.

    Das wirklich spannende passiert also nicht in den Freundin-Blogs selbst, sondern in der Kommunikation zwischen den Blogs und in den Kommentarbereichen.

    Last die Nörgler also nörgeln, die Basher bashen. Jede Aktion ruft eine Reaktion hervor. Jeder ist selbst verantwortlich für das was er bloggt. Wer viel nörgelt muss damit leben als Nörgler zu gelten. Wer alles neutral schreibt, muss mit dem Vorwurf rechnen, keine Meinung zu haben usw.

  10. Björn Hasse
    Mai 11th, 2006 @ 12:22

    Unglaublich, echt jetzt, der Patrick, der findet immer die richtigen Worte. Blogdiplomatie-Ehrenpreis. ;-)
    Richtig, die Aufmerksamkeit der Blogger ist da, der Kasus wird diskutiert – ging auch ohne Klowand-Vergleich, und irgendwie ist der Start dadurch doch mit Pauken und Trompeten absolviert.
    Ergo: Jeder nach seiner Facon.

  11. Patrick Breitenbach
    Mai 11th, 2006 @ 12:32

    Das ist doch das Schöne am bloggen! :-)

  12. 50hz
    Mai 11th, 2006 @ 12:35

    Dafür gibt’s direkt mal Mojo bei Rojo. Und danke, dass Du uns Medienbeobachtern Emsigkeit zugestehst.

  13. Björn Hasse
    Mai 11th, 2006 @ 12:40

    Hey, I love Medienbeobachters! Mindestens! Wer auch immer mir fleißig Clippings schickt (nur muss ich vorher in die Medien rein, das ist nicht ohne…), der wird von mir aber sowas von gemocht! :-)

  14. MiFoMM » Verlinken - Ja, aber Wie?
    Mai 11th, 2006 @ 13:45

    [...] Die Freundin bloggt, und – wie Björn Hasse feststellt – die MacherInnen können nur alles falsch machen: [...]

  15. Dorin
    Mai 11th, 2006 @ 14:30

    Hallo mark 793, Du hast vollkommen recht, eine heftige Auseinandersetzung kann eine Wohltat sein, auch wenn ich mir solche Kämpfe lieber mit USK-Beamten, Stadtwerken, Banken & Co liefere

  16. Don Alphonso
    Mai 11th, 2006 @ 14:39

    Was den mainstream angeht: Die allermeisten Blogs beschäftigen sich mit Mainstream, nänlich dem des Autors. Kein Problem. Das Problem bei Dorin Popa und Co. sind Verhaltensweisen, für die sie in die Tonne getreten werden. Und ich wette, dass es denen gar nichts bringt: Der Trackbackschleime hat es trotz zweier Links auf mein Blog bislang zu 20 Referrern gebracht, davon 6 aus dem eigenen Haus.

    He Dorin Popa: Dui bist eine Null, ein Quoten-Versager, ihr wollt 600.000 Visits im Monat bei Freundin.de haben, und du bringst nur 14 Referrer in 24 Stunden? Komm, mach ruhig weiter, Richtung Süddeutsche, in 6 Monaten seit ihr kalt wie Kotze vom Vortag.

  17. Björn Hasse
    Mai 11th, 2006 @ 14:53

    Don? Oder Joe-Job? Kaum zu glauben, dass ein Gentleman wie Du so die Contenance verlieren können soll…
    Solltest Du tatsächlich, bemühe ich mich um Antwort: a) Deine Definition von Mainstream hinkt in Bezug auf das, was vorher hier unter Mainstream gefasst wurde. Aber das ist ja auch nicht so gemeint, hm? b) Hatte ich nicht etwas von "nicht zu persönlich" geschrieben? c) Nicht nur – aber auch – von Dir habe ich gelernt, dass ich in meinem Blog Hausrecht innehabe. Lass es mich nicht ausüben müssen, o.k.?

  18. Don Alphonso
    Mai 11th, 2006 @ 20:11

    Doch, ich bin es schon. Aber langsam werde ich stinkig und gehe den nicht mehr mit Samthandschuhen an. Soll hier nicht nochmal vorkommen, dafür habe ich mein eigenes Blog. Entschuldigung.

  19. Björn Hasse
    Mai 12th, 2006 @ 07:57

    Na, dann jetzt erst mal an den Gardasee, dann sieht die Welt doch scon wieder besser aus, hm? Schönen Urlaub!

  20. Dorin Popa
    Mai 12th, 2006 @ 20:39

    Wie versprochen sind jetzt die Kommentatorennamen aktiv (auch rückwirkend bei allen Kommentaren auf die Homepages – soweit angegeben – verlinkt) und Trackbacks zugelassen.

  21. sebastians · von der freundin auf die stirn geklebt-
    Mai 15th, 2006 @ 09:22

    [...] um bei sixtus zu bleiben- hier kommen die mitarbeiter der promotion firma, bleiben an der tür des lokals stehen und werfen die flyer von dort den gästen an den kopf. – ohne zusammenhang – ohne mitleid. hier hier hier usw. – keinen bock jetzt alle blogs durch zu gehen, in denen über die freundin gesprochen wurde, aber dorin wird wohl fleissig gewesen sein. [...]

  22. reine Formsache » Bei aller Liebe…
    Juli 17th, 2006 @ 18:09

    [...] Was ich dachte, denke ich noch immer: Für mich ist das Blogdingens in erster Linie ein Technikdingens. [...]

  23. reine Formsache » Keep it real! in Klein-Bloggersdorf
    Mai 9th, 2007 @ 10:39

    [...] Kann man nicht einmal endlich diesen einen Schritt – zumindest irgendwo hinterköpfigst – vollziehen, dass Bloggen das Nutzen einer Technik ist, die jeder zu seinem Zweck nutzt, auch wenn es nicht allen gefällt? [...]

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