reine Formsache

Notizen, Alltag, etwas PR, viel Entspannung

Swiffer bloggt

Posted on | Dezember 12, 2006 | 7 Comments

Swiffer entstaubt die B-2-C-Kommunikation“. Gut, wäre wohl eine Wunsch-Headline für das passende Branchenmagazin. Sehen aber manche anders.

Was? Swiffer bloggt, bzw. lässt bloggen.

Das Fake-Testimonial – klingt böse, heißt aber so - ”L. (aka Miss Swiffer)” schreibt frei Schnauze, wie ihr Tag als moderne up-to-date-Hausfrau - bzw. up-to-date-Frau, die auch nebenbei irgendwie den Haushalt schmeißt bzw. up-to-date-Frau, die auch nebenbei ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen… nee, das waren andere – abläuft. Gerade jetzt. Zum Beispiel. Im Vorweihnachtsstress. Gut, dass sie da den Swiffer bei der Hand hat. Das der hilft. Ungemein.

Offensichtlich [Nachtrag: damit versuche ich ein gewisses Maß an Ironie anzudeuten], wenn man einen Blick auf die Kommentare (z.B. hier) wirft, scheint es der potentiellen Zielgruppe durchaus zu gefallen.

Manchem Blogger dagegen eher nicht – wobei, die Frage muss erlaubt sein, diese oder “wir” wohl auch nicht die Zielgruppe sind, oder?

Herr Pirchner zu Miss Swiffer:

Wen soll das Pseudogeblogge interessieren? Für wie dumm haltet ihr euer Publikum? [...] Es genügt nicht mehr so zu tun, als würde ein Unternehmen einen auf Transparenz und Dialogorientierung machen – man MUSS ES WIRKLICH TUN. Das setzt aber reale Personen voraus, die authentisch, glaubwürdig und mit Leidenschaft den Dialog mit den Bezugsgruppen suchen, aufnehmen und pflegen.

Ed zweifelt noch,

Ob Procter & Gamble damit mehr Staubwedel absetzen wird oder gar eine Staubwischer-Community zustande bringt?

Und Zuckerwatte traut schlichtweg ihren Augen nicht.

Positiv?

  1. Das Design ist doch nett, oder?
  2. Im Impressum lässt sich schnell nachlesen, wer sich hinter “Miss Swiffer” verbirgt. Transparent. Nachvollziehbar. Gut.

Ich halte fest: P&G bzw. Swiffer bloggt. Per Fake Testimonial. Der Zielgruppe scheint es zu gefallen. Aber über Geschmack lässt sich streiten. Und darüber, ob es nun der angemessene Einsatz eines Blogs, der Wunsch zur Begründung einer Community oder einfach ein kommunikatives Experiment ist. Aber vielleicht wird das mit der Zeit klarer… 

[via Ed Wohlfahrt]

Comments

7 Responses to “Swiffer bloggt”

  1. Björn Hasse
    Dezember 12th, 2006 @ 14:56

    Hallo Markus, ich widerspreche Dir überhaupt nicht. Und gestehe: Ich sollte Ironie besser als solche kennzeichnen.
    Aber gut: Gehen wir noch einmal ernsthaft an die Frage nach der Zielgruppe. Weiß sie davon? Weiß ich nicht. Als PR-Menschen würden wir wohl versuchen, Artikel/Notizen in den Medien der ZG unterzubringen, die auf Miss Swiffers Blog verweisen. Die österreichischen Medien habe ich allerdings nicht auf dem Tisch. Könnte es mir hier aber durchaus im ein oder anderen Format à la Lisa, Laura, Lea vorstellen. Und, wenn ich diese Medien durchsehe, dann fände ich es auch nicht vollkommen daneben, dass diese ZG "so tickt" bzw. "so kommentiert". Nein, und da gebe ich Dir absolut Recht: Ich halte diese existierenden Kommentare zu mind. 90 % für irreal, bzw. evtl. aus dem "Umkreis" der Autorin.
    Dennoch: Für mich bleibt fraglich, ob ich das Experiment von vorneherein zum Scheitern verurteilen soll, oder ob ebensolche Formate demnächst eine feste Leserschaft finden. Stop. Bevor ich ein lautes "Nein" höre – Lisa, Laura und Lea haben ebenso ihre Leser…

  2. Björn Hasse
    Dezember 12th, 2006 @ 15:31

    Ich hoffe doch, Du hast Dir die Stauballergie-Idee noch schnell gesichert, hm? ;-)
    Gut, das Produkt wird in den Marketing-Plänen und -Unterlagen eine Personality haben. Und sicher sagt diese – irgendwie -, dass das Produkt eben genau dem Lebensstil entspricht, den moderne Frauen haben und haben wollen: schnell mal die lästige Arbeit nebenbei – "mit einem Wisch" (nee, das war was anderes, oder?) – erledigen, dadurch mehr Zeit für sich haben. Und dieses Bild versucht nun Miss Swiffer aufzuzeigen.
    Ich weiß nicht, ob es der Start des Experimentes ist, und bspw. in einem Monat Kommentare/Trackbacks ermöglicht werden. Co-Autoren dem Blog mehr Leben einhauchen sollen, es durch tatsächlichen Dialog zum Leben erweckt werden soll. Vielleicht erleben wir gerade wirklich die ersten und noch tappsigen Schritte?
    Aber gut, die Bezugsgruppe: Marken nur zu konsumieren bzw. nur kaufen zu müssen, das ist langweilig. Dazu brauche ich keine Marken. Marken sollen ja etwas für mich darstellen. Vielleicht ist die von mir genutzte Marke ja sogar so stark, dass ich sie gerne / offen / ausschließlich / whatever nutze. Vielleicht so stark, dass ich zu einer Marken X-Community dazugehören möchte. Gut. Die sehe ich hier auch nicht. Aber vielleicht kommt auch diese noch? Naja, Optimismus beiseite: Man müsste schon eine Menge mehr Service und Lifestyle hinzufügen. Eine große Menge. Und ebenso: Dann bleibt die Frage, ob Swiffer an sich sexy (oder trendig, etc.) ist, um mich zum Dazu-gehören-wollen zu bewegen.

  3. Ed Wohlfahrt
    Dezember 12th, 2006 @ 17:53

    also das hier transportierte Frauenbild, die Sicht Mrs. Swiffers ihrer selbst, ist so dermaßen antiquiert und geht an der Zielgruppe der modernen, aufgeklärten uns selbstbestimmten Frau so meilenweit vorbei, dass es eine wahre Freude ist. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass jemand die Wischer deshalb kauft oder nicht, aber es wundert mich trotzdem.

    Was ich meine? Hier ein Beispiel aus dem zuckersüßen Brabbelmund dieser Wischmob-Domina:

    "in Punkto Haushalt bin immer ich diejenige, die die absolute Übersicht hat. Ich weiß einfach, wann was zu tun ist (und auch, wann ich mir erlauben kann, einfach alles liegen zu lassen – mit allen Konsequenzen, wohlgemerkt)"

    das ist schön. Mädchen spielen mit Puppen, Jungen mit Autos. Die Frau kümmert sich um den Haushalt und der Mann schlägt die wilden Tiere tot. Sorry, grad’ keine Lust auf Sachlichkeit und PR-Brille.

  4. Björn Hasse
    Dezember 12th, 2006 @ 17:55

    Ach, Ed, Du hast ja Recht, aber die Brand-Personality! Die Personality! So passt das doch gar nicht! ;-)

  5. Björn Hasse
    Dezember 12th, 2006 @ 18:40

    @ Markus: 

    Swiffer ist die Fortsetzung der Clementine (ihr erinnert euch?) mit anderen Mitteln.

    Chapeau!

  6. Zuckerwatte
    Dezember 13th, 2006 @ 13:49

    Hi,
    zuckerwatte ist weiblich – also traut sie "ihren" Augen nicht; damit gehöre ich wohl mehr oder weniger in die Zielgruppe (ja, ich hab mir auch mal so ein Swiffer-Dings gekauft). Aber hallooo: welche Frau interessiert sich für Hausfrauengetue oder Diskussionen darüber? Und die Umsetzung ist auch noch so schlecht. Miss Swiffer – das regt im besten Fall die Fantasie von Menschen an, über die ich nicht näher nachdenken will. mfg, zuckerwatte

  7. Miss Swiffer
    Dezember 13th, 2006 @ 16:03

    Hallo Björn,

    ich mag Deine Gedankengänge:-)
    Liebe Grüße aus Österreich, L.aka Miss Swiffer

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