ICH: Glaubwürdige Referenz?
Posted on | Januar 12, 2007 | 10 Comments
Noch ein kurzer Nachtrag zu meiner Frage, ob und wann sich ein Dialog zur Lösung bzw. Bewältigung eine kommunikativen Krise via Blogs lohnen kann.
Ein Blog bzw. Blogger, verlinkt sich durchaus auch selbst (siehe eben und einen Satz vorher). Und das nicht nur aus Gründen der Suchmaschinenoptimierung, sondern auch, um auf vorangegangene Artikel zu verweisen, die zum Thema passen, die Diskussion oder Standpunkte erläutern.
Der Link wird zur Referenz.
Zwei wesentliche Arten dieser Eigenreferenz sind für mich ein weiterer Indikator dafür, ob dieses Blog bzw. dieser Blogger an einem tatsächlichen Dialog interessiert ist:
- Eigenreferenzen als Verweis, à la ”Ich habe hier [Link auf eigenen Artikel] meine Sicht der Dinge aufgezeigt.” sind logisch nachvollziehbar, sinnvoll und vor allem: als subjektiv gekennzeichnet.
- Eigenreferenzen als Beleg, à la “Schließlich ist bewiesen [Link auf eigenen Artikel], dass…” sind kritisch: Dem Leser, der diese Belege bzw. “glaubwürdige Quellen” nicht per Klick überprüft, wird ein subjektives Meinungsbild als angeblich objektives präsentiert. Diese “Belege” tauchen oft auch weniger offensichtlich bzw. expressis verbis auf, à la “Klar, sowas [Link auf eigenen Artikel] macht der ja schon immer!“
Eigenreferenzversion 2 schreckt zumindest mich ab, denn dort sehe ich, dass vor allem eine Meinung und Sicht der Dinge gilt: die eigene.
Gegen diese “anzukommentieren” bzw. in einem Dialog zu versuchen, sie auch für eine fremde Position zu erwärmen, sehe ich nicht als sinnvoll an.
Comments
10 Responses to “ICH: Glaubwürdige Referenz?”
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Januar 15th, 2007 @ 18:21
Nicht entmutigen lassen, ob der 0 Kommentare. Ein guter Follow-up, ich brauch Zeit. ;-)
Januar 15th, 2007 @ 18:33
Och, ich schreibe ja nun mehr mehr für Dich… ;-)
Januar 21st, 2007 @ 01:39
Die beiden Arten auseinander zu halten, ist nicht so einfach. Klar gibt es extreme Beispiele, gerade für Fall 2, aber da muss man oft nicht die links verfolgen. Die Einstellung und Intention des bloggers wird schon durch die Einträge und die Wortwahl deutlich. Klar wäre es für die PR-Agenturen hilfreich, wenn man harte Indikatoren finden könnte, an denen man kommunikativ "offene" und "verschlossene" blogger festmachen könnte. In der "Krise" zählt ja auch die Zeit, die man nicht mit aussichtslosen Fällen verschwenden sollte.
Das Ausgangsbeispiel mit dem Kodex ist einfach, weil man den Betreffenden auch an seiner selbst fomulierten Verhaltensrichtlinie messen und darauf hinweisen kann.
Beim Beispiel mit der Selbstverlinkung sollen – so wie ich es interpretiere – "Scheuklappen" identifiziert werden. Wenn dies so einfach wäre. Selbst bei der persönlichen Kommunikation face-to-face wird man von mangelnder Einsicht, wie auch offenes Interesse, überrascht. Bei blogs halte ich eine Einschätzung des Verhaltens für noch schwieriger.
Januar 22nd, 2007 @ 10:56
Ja, da gehe ich mit: eine einfache Unterteilung in "offen" und "verschlossen" lässt sich nicht nach den ersten Clicks treffen. Aber wie Du sagst, zählt in der Krise die Zeit bzw. "jede Sekunde". Und dann könnte ein auf den ersten Blick "verschlossener" Blogger, der sich zudem stark selbst verlinkt, ohne auf andere – gegenteilige – Quellen einzugehen direkt aus dem Raster fallen. Mehr Zeit könnte dann auf die evtl. nutzbringende Kommunikation mit den "offeneren" Bloggern verwendet werden.
Was ich oben und im vorhergehenden Beitrag noch vollkommen außer Acht gelassen habe, sind natürlich die Kommentierenden. Auch diese haben durchaus einen Einfluss darauf, in welche Richtung sich ein möglicher Dialog entwickelt. Bspw. könnte der Dialog schwerlich möglich sein, wenn die Kommentare bei einem "offenen" Blogger (nahezu) ausschließlich von "verschlossenen" beherrscht werden.
Januar 24th, 2007 @ 05:56
Ich weiß nicht … ich habe kein Problem mit Bloggern die sich selbst referenzieren und damit belegen, dass diese Ansicht bereits in der Vergangenheit seine Spuren hinterlassen hat.
Nimmt man mich und meinen Habitus mich hier und da selbst zu referenzieren, wird die Situation noch viel schlimmer. ;-) Ich kann mich selbst referenzieren und auf den ersten Blick merkt das keiner, weil die Urls und Erscheinungsbild mich nicht als Urheberin unmittelbar erkennen lassen. Erst der Blick in das Impressum oder wer weiß, dass ich den Nick tempa häufig verwende, weiß, dass ich die Autorin bin.
Muss ich nun immer kenntlich machen, dass ich das sage und mich selbst referenziere … reicht es nicht, dass das Wort zählt.
Ich habe es eben in einem Kommentar bei Robert gesehen, der ebenfalls gerne auf sich verweist, auch denn wenn der Verweis eigentlich eine externe Quelle verweist … er schickt Nutzer dann gerne erst zur Erstreferenz in seinem Blog zur externen Quelle. Sowas gibt immer sehr imposante PIs :-) aber zurück zum Kommentar wo das Wort gelesen aber nicht verstanden wurde.
Auch hier habe ich mich selbst referenziert und paraphrasiert, dies aber geschah im engsten Sinne eines Dialogs, denn irgendwie will ja man verstanden werden auch dann wenn der Gesprächspartner nicht wach genug war und den Text noch nicht verstanden hat.
Januar 24th, 2007 @ 11:31
bytheway: Ich kennzeichne links, in denen ich auf vorherige Einträge in meinem blog verweisen, ganauso wie auch links zu wikipedia.
Januar 24th, 2007 @ 13:18
Silke, nein, ich habe ebenso "kein Problem" mit Bloggern, die sich selbst verlinken – ich praktiziere dies ja ebenso, als Verweis auf Vorarbeit, auf meine Definition und Sichtweise.
Kritisch sehe ich – wenn überhaupt, mir geht es mehr um eine "Faustformel" für die schnelle Reaktion in der kommunikativen Krise – eher den Eigenlink als Beleg, als "Beweis" für einen Umstand.
Wissenschaftlich gedacht: Würde ich in einer Arbeit einen Sachverhalt als gegeben und objektiv schildern, dabei als ausschließlich eigene Quellen nutzen ohne sie kenntlich zu machen, wäre dies "unsauber".
Januar 27th, 2007 @ 00:14
Sich selbst zitieren und paraphrasieren ergibt aber doch genau das Bild, das Du hier ankeriedest, dass eine "These" mit der eigenen Aussage und einer weiteren "These" belegt wird, also eben im Grunde gar nicht.
Blogeinträge sind keine wissenschaftliche Arbeiten.
Ich bitte an dieser Stelle auch noch zu bedenken, dass in der Heuristik und im Konstruktivismus dieses Vorgehen sogar einer wissenschaftlichen Methodik entspricht. Es bleibt hier nur zu bedenken, dass beide Methoden eben irgendwann auch noch einer Phänomenologie und der Verifizierung durch dritte und objektivere Verfahren.
Ich denke es gehört zum Diskurs dazu und ist Sache der Medienkompetenz diese "Selbstverifizierung durch eine Paraphrasierung der These" zu erkennen und als solche einzuordnen.
Februar 12th, 2007 @ 11:55
Silke, ich weiß nicht, ob dieses Erkennen und Einordnen tatsächlich dem Blogleser zuzutrauen ist. Nein, nicht den Lesern, die tagtäglich durch die Blogosphäre streifen. Gemeint sind diejenigen, die sich urplötzlich in einem Blogartikel wiederfinden und verdutzt die Augen reiben. Wieso werde ich dort kritisiert? Und: sollte ich darauf reagieren?
Nein, Blogartikel sind keine wissenschaftlichen Arbeiten. Aber wie so manche Arbeit pochen die ein oder anderen schnell einmal auf einem Wahrheitsanspruch. Den manch einer dann aus eigenen Quellen ableitet.
Mai 9th, 2007 @ 10:39
[...] Die investigativen Sherlocke nutzen ihre Eigenreferenz bis zum Umfallen, weil das als Beleg jedweder Behauptung sicherlich genügt? Klar, das ist Goldstandard. [...]