reine Formsache

Notizen, Alltag, etwas PR, viel Entspannung

Werbung ist gut. PR ist böse.

Posted on | August 21, 2007 | 18 Comments

Ja, ich habe mich selbst schon gefragt, was der erste Artikel nach langer (> 1 Monat) Blogabstinenz sein wird.

Aber jetzt wird es mir doch gleich ganz einfach gemacht: Wenn nicht nur Robert, sondern auch Patrick das Thema “Rules of Contact” bzw. “Blogger Relations” angehen, dann gehe ich doch mal mit. Oder dagegen an.

What happened? Oh, es gingen wohl wieder E-Mails ein, E-Mails unbedarfter PR-Kollegen aus ebenso unbedarften Agenturen, die wahlweise Blogger wie Journalisten angehen oder direkt für dumm verkaufen wollen.

Das mag sein. Das kommt vor. Nicht nur in den besten Familien. Das sollte aber nicht sein. Und ehrlich: Vielleicht ist es nachvollziehbar, dass ich mich besonders über teilweise nicht gerade genial verfasste Meldungen aus anderen Agenturen schäme freue, die an meine hier angegebene Adresse geschickt werden. Auch wenn in einem Satz darüber nachzulesen ist, wo ich arbeite. Aber gut.

Was mich kratzt, wenn ich bei Robert und Patrick lese?

Nein, es steht nirgendwo. Keiner behauptet, PR sei böse, Werbung dagegen gut. In den letzten Wochen lese ich es aber (jaja, selektive Wahrnehmung, ich weiß) mehr und mehr zwischen den Zeilen.

Was genau?

PR und Werbung sind in einigen Segmenten nicht mehr allzu weit voneinander entfernt. Ob es nun mal wieder darum geht, im Marketing-Mix die relevante Rolle zu spielen oder nicht, was an B-T-L, “Viral” und Online-Projekten in manchen Werbe-Konzepten zu finden ist, steht so oder so (sehr) ähnlich auch in manchen PR-Konzepten. Vielleicht unterscheidet sich manchmal noch das Vokabular oder der Fokus, aber das geheimnisvolle Posten eines Videos haben Kreative (oder so) auf beiden Seiten – Werbung und PR – in ihrem aktuellen Up-to-Date-Portfolio.

Et puis?
Angenommen, die Aktion kommt gut an: Klasse Werbe-Kampagne!
Angenommen, die Aktion kommt schlecht an: Miese PR-Kampagne!

Woher kommt das? Ist das fehlende Verständnis dafür, was PR ist oder wie sie funktioniert? Oder ist es die simple Tatsache, dass etwas Positives expressis verbis “gute Werbung” für eine Sache ist?

Zurück zu den E-Mails über Start-Ups oder was-auch-immer, die ungewollt in den Posteingang flattern.

Ist das nicht einfach Spam? Spam, der eventuell etwas persönlicher aufgemacht daherkommt?

Was bitte unterscheidet diesen von dem Spam, den ich tagtäglich in meinen Posteingang und Briefkasten gesteckt bekomme? Oh, vergessen, mein Lieblings-Spam: Automatische Anrufe eines lokalen Möbelhauses mit spannenden Aktionshinweisen – aber das ist eine andere Geschichte…

Ich sehe mir Patricks 10 Regeln noch einmal kurz durch, passt bestimmt nur auf PR, aber mal schauen:

1. Was habe ich davon?
Was habe ich vom 25. Mailing der XY-Lotterie, die mir ein ganz persönliches Super-Angebot macht?

2. Sind wir einmalig?
Ich bin bestimmt der einzige Frankfurter, dem immer mit blau-eingedruckter persönlicher Unterschrift (manchmal auch mit ebensolcher Briefanrede) ein total rundes Zeitungspaket angedreht werden soll. Und der einzige, der per Zufall im Internet ein total schickes Dingens gewinnen kann, wenn er fix klickt!

3. Können wir offen miteinander reden?
O.k., dieser Punkt lässt sich kaum persiflieren. Oder glaubt noch jemand daran, Frau Bertani mal schnell zu ihren Kirschen befragen zu können?

4. Müssen wir gemeinsam Schweine hüten?
Sind wir die besten Kumpels? Ich glaube, der Chef von dem Möbelhaus, der mich immer automatisch anrufen lässt, und ich, wir sind total dicke. Oder diese netten Leute mit den günstigen Telefontarifen.

5. Wieviel Lebenszeit müssen wir opfern?
Um über Werbung zu schreiben? Na, wenn es schlechte ist, macht das Schreiben Spaß, wenn es subjektiv gute ist auch. Und der Rest bietet sich als Zeit für den Gang zum Kühlschrank an, oder? Gut, wenn der Layer wieder meinen Bildschirm sprengt

6. Müssen wir nach Eurer Pfeife tanzen?
Geheime Infos? Werbung? Die ich nicht verraten soll? Gut, merke ich mir mal. Mal sehen, ob ich das ein oder andere Super-Angebot nicht doch heimlich publik mache…

7. Marmor, Stein und Eisen bricht?
Nee, nee, meinen einmal erworbenen Artikeln und so, den bleibe ich IMMER treu. Und sammle auch Punkte. Und Digits. Und Meilen. Gutscheine. Bonus-Bäpper. Milchtaler. Und so. Und kritisiere die NIE!

8. Lügen haben kurze Beine.
Gut, das gilt NUR für PR. Werbebotschaften glaube ich IMMER.

9. To spin or not to spin?
PR will verkaufen. Werbung nicht. Oder so.

10. Wer ist schon gleich?
Richtig! Gut, dass ich jetzt auch bald meine Werbe-Mailing-und-Anruf-und-E-Mail-Regeln aufstelle. Da halten sich sicher alle dran! Und wenn nicht, dann watsche ich die sowas von ab!

Hey, ich muss an dieser Stelle mein Lieblings-Robert-Zitat (danke und Gruß!) bringen: “So what!?”

Schlechte Werbung ist schlechte Werbung. Und keine schlechte PR.
Schlechte PR ist schlechte PR. Und vielleicht schlechte Werbung für die Agentur.
Spam ist Spam. Das ist wenigstens noch einfach.

Comments

18 Responses to “Werbung ist gut. PR ist böse.”

  1. Christian
    August 21st, 2007 @ 21:33

    Zwei Dinge sind mir aufgefallen:

    1. Ich als PRler wehre mich dagegen, mit Direktmarketing-Spammern verglichen zu werden.

    2. Spam von PR-Leuten wird doch nicht besser dadurch, dass Werbeleute auch spammen, oder?

    Was mir in Deinem Beitrag fehlt: Es gibt auch GUTE PR. Und zwar eine ganze Menge.

  2. Björn Hasse
    August 22nd, 2007 @ 07:20

    Christian, Du hast vollkommen Recht. Natürlich gibt es eine ganze Menge guter PR. Und ich versuche tagtäglich “gute PR” zu machen. Es gibt aber btw. auch gute Werbung. Aber zu Deinen Punkten:

    1. Im Prinzip ist das die Crux bei diesen Ich-wehre-mich-gegen-schlechte-PR-E-Mails-Artikeln. Und bei der Herangehensweise, die manche Kollegen in Bezug auf Blogger als sinnvoll ansehen.
      Auf der einen Seite: Es geht hier ja gar nicht um gute oder schlechte PR-Kampagnen, ein positives oder negatives Themen-Setting. M.E. möchte nur niemand offensichtlich als Vehikel einer Botschaft missbraucht werden. Kein Blogger (ja, sorry, pauschal) will in eine Kampagne eingespannt werden, auf dass er möglichst kostenfrei eine Botschaft multipliziert, die auf den ersten Blick (und den zweiten) nichts mit ihm zu tun hat.
      Auf der anderen Seite: Wenn PR sich weiter als Medienarbeit definieren soll(te), also bspw. als Aufbau und Management von Beziehungen, dann sollten Kollegen auch in der Lage sein, Beziehungen tatsächlich aufzubauen. Das “breite Streuen” – ob es nun die Pressemitteilung an 600 Redaktionen oder an Blogger ist – ist der falsche Weg. Und die Pressemitteilung, die bei einem x-beliebigen Redakteur ohne Bezug zum Thema landet, landet asap im Müll. Also: Spam; auch wenn ein personalisiertes Anschreiben mitgeliefert wurde.
      Gibt es aber die 25 Redaktionen, die tatsächlich Interesse an der News haben könnten, von denen ich evtl. weiß, wie und warum sie das Thema aufnehmen und nutzen könnten, und gehe ich bei “Bloggern” (noch pauschaler als “Redakteuren”) ebenso vor – nur mit dem mir bekannten so zu kommunizieren, dass er direkt entscheiden kann, ob es etwas für ihn ist oder nicht – dann ist beides weder gestreut noch Spam. Sondern Kontaktpflege.
      Btw. werde ich so ggbf. mehr “Erfolg” haben, oder?
    2. Spam wird nicht besser, weil auch andere spammen. Danke! Absolut! Gerade deshalb sollte ich doch versuchen, mich abzuheben. Nicht unbedingt die gleichen Mittel (personalisiertes Massenanschreiben mit unpersonalisiertem Inhalt) nutzen!

    Denn das, was Du als 1. Punkt formuliert hast, ist doch unweigerlich irgendwann das Resultat, wenn x Kollegen durch x-faches Streuen an x Empfänger vermitteln, dies, dieses Störende, sei PR.

  3. Björn Hasse
    August 22nd, 2007 @ 07:43

    Oh, manchmal sollte man sich erst auch weiter umsehen. Gerade Deine Kommentare bei Patrick entdeckt. Also gut, ich gehe mit:

    1. Zielgruppen, Medien, Blogger – ernstnehmen. Absolut.
    2. Schlechter Umgang = Angst? Da bin ich mir unsicher. Nimmst Du nicht auch in Kauf, das redaktuer X Dir erklärt, Deine PM sei nun wirklich so was von gar kein Thema für ihn? Vielleicht doch eher die simple Denke Medium = Medium, Blogger = Redakteur, was dort funktioniert, funktioniert auch hier?
    3. Aktive Meinungsbildung. Absolut!
  4. Patrick Breitenbach
    August 22nd, 2007 @ 08:06

    Auch hier wiederhole ich meinen Kommentar aus unserem "Wohnzimmer":

    Weder Werbung noch PR sollte in Stopfgansmanier daherkommen.

    Ansonsten wer den Werbeblogger regelmäßig liest, weiß, dass wir die Werbung ständig kritisieren nach genau den 10 Punkten, die Björn hier so schön aufgeführt hat. Vielleicht doch wieder eine Mischform oder neue Strömung? Siehe vor einem Jahr: http://www.werbeblogger.de/2006/08/03/marketing-pr-der-raum-zwischen-den-stuhlen/

  5. Björn Hasse
    August 22nd, 2007 @ 08:25

    Hey Patrick, guten Morgen! Ja, ich habe noch mal nach dem Artikel gesehen (aus dem letzten Jahr), und ja, ich hatte ihn auch damals gesehen, wenn Du schon Richard zitierst.
    Richtig, die Segmente im Marketing-Mix mischen sich teil- und zeitweise. Und negativ ist dies m.E. nicht. Höchstens, wenn sie auf dem Weg, auch Tools der "ehemaligen Gegenseite" auszutesten, die fehler machen, die dort vor Jahren gemacht wurden. Räder müssen nicht neu erfunden werden, nur weil auch X jetzt Y macht.
    "Stopfgansmanier!" Löst vielleicht sogar noch "Dynamitfischen" ab! :-)

  6. Patrick Breitenbach
    August 22nd, 2007 @ 08:44

    Wobei ich Andreas, den Begriff nicht streitig machen möchte. ;-)

  7. Björn Hasse
    August 22nd, 2007 @ 08:50

    Oh nein! Nicht, dass es im Werbebloggerteam rumort! ;-)
    Dynamitfischen ist die Strategie, Stopfgansmanier die Taktik. Oder so.
    Aber beides sind absolut relevante Begriffe. Puh.

  8. Patrick Breitenbach
    August 22nd, 2007 @ 08:55

    Aber ich habe da mal eine ganz andere Frage an den Profi:
    Is bad PR good PR?

    Die Frage beschäftigt mich schon lange und deine Antwort könnte durchaus in ein längeres Schriftstück mit einfließen.

  9. Björn Hasse
    August 22nd, 2007 @ 09:03

    Du erwartest doch jetzt keine zitierfähige Aussage???
    Nein, DIE Antwort gibt es nicht. Dazu bedarf es erst einer Definition von "bad" oder "good" PR.
    Aber rein strategisch gedacht: Wäre das, was bspw. Außenstehende unter "bad PR" subsummieren würden, der beste / einzige / passende Weg, eine relevante Öffentlichkeit zu erreichen, sprich: wäre dies der gewählte Weg, dann wäre es "good PR", oder?
    Anders gefragt: Ist der (subjektiv) unheimlich nervige Klingelton-Spot im TV, den ich als "bad Ad" abtue, nicht vielleicht der beste /einzige / passende Weg, die dafür relevante Öffentlichkeit zu erreichen? Also eigentlich ein "good Ad"?

  10. Patrick Breitenbach
    August 22nd, 2007 @ 10:18

    Okay, du bist nicht in meine billige Falle getappt. ;-) Wir Menschen neigen trotzdem dazu zu verallgemeinern. Daher ging es mir um die grundsätzliche Aussage "Jede Publicity ist gut, weil sie Awareness erzeugt und das Unternehmen ins Gespräch bringt". Ist Aufmerksamkeit alles? Oder gibt es noch wirklich andere Faktoren die noch wichtiger sind?

    Also mit "bad" meine ich Negativbotschaften oder Tabubrüche (die beide Effekte erzeugen, Fans wie Gegner, aber was ist mit den Gegnern?).

    Kann es nicht sogar sein, dass Negativbotschaften eine wunderbare Basis für Positiv-PR sein können, nur machen es die wenigsten Krisen-PRler (bzw. dessen Kunden) richtig?

    Beispiel Mattel. Für mich ein Weg nun richtig gute PR zu machen wäre die ANkündigung des Unternehmens auf Produktion in China zu verzichten und ab sofort neue Arbeitsplätze in den USA zu schaffen. (Doch manchmal steht nunmal der Profit im Weg, der meines Erachtens aber genauso gut durch den anderen Weg erreichbar ist)

  11. Patrick Breitenbach
    August 22nd, 2007 @ 10:20

    Also will damit meinen, negative Awareness nutzen, um Positivbotschaften zu platzieren.

  12. Björn Hasse
    August 22nd, 2007 @ 11:04

    Gut, das wäre tatsächliche Krisen-PR. Dazu aber im ersten Schritt erst einmal negative Stimmung zu generieren – hui. Wenn es passt?
    Negativstimmung und Tabubrüche, à la Benetton anno dazumal per Advertising? Das wäre sicherlich bewusst, kalkuliert und perfekt umgesetzt.
    Ist Aufmerksamkeit alles? Njein. Wenn es eine Grund-Aufmerksamkeit gibt, ist es sicher einfacher, auf deren Basis Botschaften zu kommunizieren. Aber alles? Nein.

  13. jeannine
    August 31st, 2007 @ 18:53

    Hallo!
    Natürlich ist PR gut! Ohne läuft doch nichts.
    Ohne Werbung wird ein Produkt nicht an den Mann gebracht! Ohne Kauf kein Geld usw.usw.
    Deshalb auch wenn die Werbung nervt….
    Mann braucht sie doch!
    Gruß Jeannine

  14. S.H.O.R.T.Y
    Oktober 24th, 2007 @ 18:23

    ich hab heute auf ner messe herrn bjoernslev gesucht. also bedanke dich beim google :))) ein blogstar bist du also.

  15. zeki
    Oktober 6th, 2008 @ 16:33

    Aber ich habe da mal eine ganz andere Frage an den Profi:
    Is bad PR good PR?

  16. Fritz
    Januar 26th, 2009 @ 08:15

    Ich bin kein Profi, aber würde sagen, dass bad PR manchmal sogar besser PR ist! .)

  17. webprinzessin
    Mai 18th, 2009 @ 01:35

    Ich weiß, ich bin spät dran – aber das Thema ist weiterhin aktuell, oder? Es geht doch gar nicht um "Good" PR oder "Bad" PR – sondern darum, ob mit der PR ein Ziel erreicht wird. Weiß nicht mehr, wers war, der gesagt hat "Besser man schreibt schlecht über mich als gar nicht" – aber sowas gehört doch wirklich in die Schublade der C-Promis mit persönlicher PR, die sich einen Job in einer der B oder C Showformaten suchen. Klar – wenn sowas das Ziel der Arbeit ist, dann passts… eine Empfehlung für Hollywood wird das nie. Wer versucht, ein Premium-Produkt mit schlechten Nachrichten "im Gespräch zu halten" – der kriegt da nix verkauft.

  18. Angelika
    August 31st, 2009 @ 14:33

    Oh, ja, du gibst Antworten vieler meinen Fragen! Vielen Dank! :)

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