reine Formsache

Notizen, Alltag, etwas PR, viel Entspannung

Kurz und knapp und raus damit

Posted on | Dezember 1, 2010 | 1 Comment

… und was früher noch zwei (oder drei) Momente dauerte, das flutscht einem ‘User’ heute mirnichtsdirnichts aus den Tastaturfingern. Da muss kein Blatt beschrieben, kopiert, gefaxt, gefaltet oder eingetütet werden, jetzt schreiben, gleich lesen, asynchron war gestern.

Zudem stecken in 140 oder 420 Twitter- oder Facebook-Zeichen selbstverständlich keine Erörterung, These, Gegenthese – Ihr erinnert Euch? Diese alten Punkte, wie man Gespräche, Dialoge, echte, Sachverhalte möglichst objektiv diskutieren wollte. – mehr. Kurz und knapp heißt verkürzt und verknappt, Schlagwort, laut, Hashtag und raus damit.

Schnell, schnell, schnell! Foto: John Morgan, Lizenz: CC-AL

In all der Kürze steckt dann selbstverständlich erstens der besondere Charme, nicht ausgiebig nachzudenken, bevor schnell und reduziert Meinung kundgetan wird. Und, wenn einmal kundgetan, diese zu verbreiten, daraus Maßnahmen und Notwendigkeiten abzuleiten, Forderungen aufzustellen, Solidaritäts-Retweet-Koalitionen zu schmieden.

Zweitens wird so schnell Meinung postuliert, dass wir diese ebenso schnell, wie die gesamte verkürzte Wir-sind-alle-einer-Meinung-Diskussion auf- und abebbt, bereits wieder ändern. Dauerte der “Ich-finde-Nirvana-cool-weil-die-kein-Mainstream-sind bis zum Ich-höre-doch-kein-Nirvana-weil-die-doch-nur-Mainstream-sind“-Prozess früher zumindest noch eineinhalb Monate bis ein Jugendjahr, geht das heute in synchronen Millisekunden.

Unheimlich schön anzusehen, wie Menschen heute eindreschen, morgen die Eindrescher für eindreschenswürdig befinden, übermorgen generelle Eindreschensgegner sind und überübermorgen generelle Eindreschensgegner für eindreschenswürdig befinden. Solange sich das in 140 Zeichen erdreschen lässt, auf geht’s.

Wunderbar, heute zu lesen, was die Bahn auf Facebook falsch macht (Dialog), morgen zu lesen, dass die, die der Bahn mangelnden Dialog vorwerfen, keine Ahnung haben, worum es wirklich geht (Vertrieb), übermorgen zu lesen, dass jene, die nur den Vertriebskanal sehen, Social Media nicht als das begreifen, was es ist (Einstellung), überübermorgen zu lesen, dass diese Einstellungs-Postulierenden schlichtweg ewig gestrige Sozialphantasten sind.

Kurz und knapp und raus damit. Ein äußerst unterhaltsames Konzept.

Comments

One Response to “Kurz und knapp und raus damit”

  1. Andreas Ostheimer
    Dezember 1st, 2010 @ 16:31

    Tja, jetzt wissen wir wenigstens was die meisten davon abgehalten hat in der Vor-Twitter-Zeit Ihre Meinung kundzutun: Alles was über 140 Zeichen hinausgeht.
    Dieses schnell, schnell und nur nicht zuviel nachdenken, konnte ich jedoch auch in anderen Bereichen abseits vom Web (Softwareentwicklung und Projektmanagement im Offlinebereich) sehen. Ich bin gespannt ob sich alle auf die Geschwindigkeit einstellen werden, oder ob sich diese schnellen, neuen Medien genauso rasch abnutzen, wie alles andere im Leben.

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