Warum ist Dialog so schwierig?
Posted on | April 13, 2006 | 26 Comments
Wir – und damit fasse ich mal alle einen Großteil der Kommunikations-Menschen (Ö-Arbeiter, PR’ler oder Don-Deutsch “PRolls”) zusammen – diskutieren, debattieren, meeten, telefonieren, e-Mailen, kurzum: kommunizieren den größten Teil des Tages. Klar. Machen auch andere. Zeichnet PR nicht aus. Für Kunden versuchen wir, Meinungen und Positionen in der Aggregation zu beeinflussen, dem Kunden einen Platz in der Auswahl, der Agenda bspw. der Redaktion, des Endverbrauchers, des Stakeholders zu sichern. Was Werbung – arg platt, Patrick und Andreas mögen mir verzeihen – über Bilder, Motive, Schlagworte, griffige Headlines zu erreichen versucht, versuchen wir größtenteils via Dialog.
Sollten wir versuchen. Zumindest.
Nun, der ein oder andere Unfall, den die Blogosphäre bis dato erlebt und erlesen hat, ob groß oder klein, wurde u.a. von Kommunikatoren ausgelöst, multipliziert (nein, nicht im Sinne der Verlinkung, eher im Sinne des ein-bisserl-Brandbeschleuniger-löscht-das-Flämmchen-sicher-Denkens) und offensichtlich: nicht verstanden.
Liebe, herzallerliebste Kollegen: Wenn wir davon ausgehen, dass via Kommunikation, via Dialog mit Multiplikatoren etwas zu erreichen ist – und ist dies nicht ein Bestandteil unserer Dienstleistung? -, versucht diesen Dialog, Kommunikation als Mittel doch bitte auch einzusetzen.
Nein, subjektiv mag es mich nicht stören, wenn der ein oder andere Wettbewerber sich galant auf die Matte legt oder legen lässt.
Objektiv und persönlich stören mich allerdings offensichtliche Laien, deren Aktion und Interaktion “die PR” immer wieder so abgestumpft aussehen lässt.
Bitte: Hier und dort mal kurz nachlesen, was man da so tun könnte.
Oder: Vielleicht hätten Sie Jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Nein, keine Eigenwerbung, auch nicht für die werten Kollegen, die teilweise wirklich konstruktiv in der Blogosphäre partizipieren. Wer sich damit auskennt? Fragen Sie doch einfach den in Ihren Augen für die kriselige Situation verantwortlichen Blogger! Persönlich! Wetten: Das ist ein Mensch! Mit dem kann man reden!
DIALOG!
[Die Links, die zum ein oder anderen Debakel im Netz führen, habe ich bewusst ausgelassen. Solche Debakel möchte ich eigentlich verhindern. Nicht damit werben.]
Comments
26 Responses to “Warum ist Dialog so schwierig?”
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April 13th, 2006 @ 10:16
Warum gerade jetzt dieser Beitrag. Ist des Dons (nach eigener Auffassung gebremste) Raserei der Anlass?
April 13th, 2006 @ 10:39
Vielleicht liegts daran, dass der Zugang zum PR-Beruf relativ wenig reglementiert ist?
April 13th, 2006 @ 10:45
@ Djure: Natürlich, es ärgert mich schon, wenn ich des öfteren über die “PR’ler” lesen muss, wie ineffektiv und amateurhaft manch Einer vorgeht. Vielleicht war das nun der Tropfen, der mein Fass zum Überlaufen brachte. PR-Bashing ist ja anscheinend immer wieder ein durchaus attraktives Hobby – nur, man muss doch nicht andauernd für Steilvorlagen sorgen. Mir reicht – und da lese ich mit Schmunzeln – die kleine Agentur am Rande der Stadt. Schaurig schön, manchmal nachvollziehbar (wie würde ich den den sexy Auftritt des Naturdarmverbandes proklamieren…), das ist okay, reale Meldungen, die, wenn sie eben so satirefähig sind, auch Bestandteil einer Satire sein können. Aber irgendwann und ab einem gewissen Level ist es dann auch mal gut.
Nein, ich empfinde das Dreinhauen auf die Betroffenen (oder Verursache, je nachdem) nicht als witzig. Auch nicht zielführend. Nein, noch nicht mal Schadenfreude.
Aber diese ständigen Steilvorlagen… Nein, das hatte ich schon.
April 13th, 2006 @ 10:48
Björn, das kann sein, aber träfe wohl eher zu, wenn es – sorry – kleine, selbsternannte Ö-Arbeiter wären. Hier und oft genug sind es Vertreter der "Großen", zumindest der sich ebenso titulierenden. Das gerade dort das Knowhow fehlt, ist für mich null, nicht, absolut keineswegs nachvollziehbar. Einarbeiten, beobachten, mitlesen, partizipieren – ja, gerne auch selbst bloggen, wie Du und ich es tun – Mensch, SO schwer kann es doch echt nicht sein! Welche Vorschläge und Konzepte will ich denn abliefern, wenn ich es selbst nicht verstanden habe?
April 13th, 2006 @ 11:31
Mich ärgern diverse Steilvorlagen ja auch. Aber müssen wir nicht diffenzierter Hinschauen? Klar! M&M haben einen ziemlich einfallslosen Text verfasst. Sie haben ausgerechnet ein Bild vom Don verwendet. Und das auch noch in rechtsverletzender Weise. Wer vorgibt, sich auzukennen und sich dann arglos in die Höhle des Löwen wagt, verdient eine Klatsche. Aber rechtfertigt das wirklich eine solche Treibjagd?
Und die beiden haben doch kommuniziert. Sogar erfolgreich. Sie haben sich entschuldigt. Sie waren zur Zahlung bereit. Und sie haben versucht, ihre Sicht der Dinge zu erläutern. Die meisten Beteiligten wollten das Kriegsbeil begraben. Nur der Don war nicht zufrieden. Weil nicht exakt ganz genau so kommuniziert wurde, wie er sich das wünscht.
(Btw.: Der genaue Ablauf der Ereignisse ist zumindest mir überhaupt nicht klar. Ging es mit diesen Andeutungen beim Basic los? Oder war schon vorher was?)
Der Teil von Bloghausen, den ich mitlese, hat offenbar beschlossen, den Fall zu ignorieren. Ich tue mich damit schwer (und verderbe es mir deswegen vermutlich auch noch mit dem Don.)
April 13th, 2006 @ 11:49
@ Djure: Ja, die beiden haben kommuniziert.
Sie haben aber erst einmal ein Bild gerade von Don genommen und gerade ihn nicht gefragt. Vielleicht wäre ein simples Telefonat, wäre es bspw. ein Screenshot Deines Blogs, über den Du Dich geärgert hättest, ausreichend gewesen. Welchen Teufel bittest Du, Dich zu reiten, ausgerechnet ein Don-Pic zu nutzen? Das ist für mich ein etwas wunder Punkt. Der für mich zeigt, dass man sich nicht die Mühe gemacht hat, Don zu lesen. Vorher. Würde ich ein Bildchen suchen – jedes, das nicht.
Aber ehrlich: Eigentlich will ich nicht unbedingt auf diesen Fall als Paradebeispiel abheben, so glanzvoll empfinde ich ihn nicht – auch das Verhalten der Blogger, da gebe ich Dir Recht. In meinen Augen überreagiert, aber das ist subjektiv. Klar. Und wäre es nicht nicht auf einmal um meine Edelman-IP gegangen, ich hätte mich nicht geäußert.
Btw.: Japp, angekündigt (geworben?) wurde bei Robert. Und in meiner "Bloggroll", ist das Thema nicht aktuell.
April 13th, 2006 @ 13:17
@Björn: Ich glaube, dass GERADE die Großen Probleme haben. Denn die Bloggerbewegung ist nicht groß aufgrund individueller Größe (großes Unternehmen, große Publikation etc.), sie ist groß aufgrund der Vernetzung, der Mechanismen etc. Bisher war PR, mit verlaub, recht einfach: Welches ist das Medium? Wer ist mein Ansprechpartner? Was muss ich dem anbeiten, damit er es nimmt? Und wann stehts dann im Blatt. Das geht alles in einer Linie durch. Aber jetzt? Vernetzung? Oh Gott, das ist nicht mehr linear – da liegt die Problematik. Das ist, gerade für die GROSSEN, ein Prozess, der sich nicht mehr so einfach verwalten lässt. Jetzt kommt das Gehirn ins Spiel…, sag ich mal so als Neurobiologe :-)
April 13th, 2006 @ 13:27
Ja, Björn, kann ich nachvollziehen. Dann machen wir es eben nicht an der Größe fest. Größe bedeutete für mich eben nur die größere Wahrscheinlichkeit, dass sich doch zumindest ein oder zwei Individuen in der Agentur um das Thema bemühen. Klar, je mehr, desto besser, aber irgendwer muss einfach Bescheid wissen, bevor sich solche Unaufgeklärten dem Thema widmen.
Vernetzung? Mit Verlaub: das sollten Netzwerker beherrschen. Gleich welcher Größenkategorie… ;-)
April 13th, 2006 @ 14:44
Bescheid wissen ist halt so eine Sache… das ist nämlich anstrengend…
April 13th, 2006 @ 17:15
Bitte bei den Fakten bleiben: Ich habe das ganze bewusst so gemacht, um denen in jeder Lage eine einfache Möglichkeit zum Ausstieg zu geben. Der erste Schritt war eine Mail von uns an die mit dem Hinweis, dass es nicht ok ist – und dem Vorschlag, dass sie selbst einen Vorschlag ur Regulierung machen sollten. In dieser Situation haben sie per Mail und Kommentar die Verantwortung auf den Verlag geschoben, der glaubhaft machen kann, keine Rechte erteilt zu haben – weil er die Rechte gar nicht hat, die liegen bei mir und Kai.
Sprich, sie haben versucht, es einem anderen draufzubinden. Um 6 Uhr Abends haben sie es auch per Telefon gegenüber dem Verlag eingestanden – dessen Rechte nicht betroffen sind. Aber kein Wort zu mir. Obwohl ich jederzeit erreichbar bin. Das ist die Lage, in der es zur Rechnung kam.
Wäre es nach mir gegangen, hätten sie um 13,30 Uhr die reissleine gezogen und die Verantwortung übernommen. Jetzt läuft die Sache. Ich habe gerade ein Beispiel gepostet, wie man es immer noch blitzschnell beenden könnte, Auch hierher habe ich verlinkt. Damit sie es lernen.
Und nochwas: PR-oleten ist natürlich nicht nett, aber ich möchte klarstellen, dass ich damit nicht alle Öffentlichkeitsarbeiter meine, sondern nur den vulgären Teil, der sich vor lauter Neusprech und Bloggelaber nicht mehr einbekommt. Ich bin Journalist und habe dauernd mit PR u tun. In der Regel ist das eine harmonische Sache.
April 13th, 2006 @ 17:25
Don, mit dem “überreagiert” der Blogger meine ich das ein oder andere Kommentar bei Dir, nicht von Dir. Nicht Dein Vorgehen. Da Du der Rechteinhaber bist, halte ich – beinahe – jedes Vorgehen für gerechtfertigt, wenn es als zielführend eingeordnet werden kann. Und: Ehrlich, 250 € halte ich für wirklich maßvoll und eher symbolisch.
Wenn mich etwas in Bezug auf Dich verärgert, dann eher das, was ich oben kommentiert habe:
Ergo: Nicht Dein Verhalten, sondern dass sie ausgerechnet… Ich glaube es immer noch nicht.
PR-oleten: Kann ich nachvollziehen. Ich weiß, dass es die gibt. Echt jetzt. ;-)
April 13th, 2006 @ 17:36
Ich weiss natürlich auch, dass offene Kommentare in so einer Sache nicht unproblematisch sind. Ich habe auch ein paar Sachen gelöscht. Komischerweise kamen die "schmutzigen" Sachen von Leuten, die generell rumgepöbelt haben. Ich würde da auch nicht alles so unterschreiben, wie es drin steht, aber so ist nun mal die Realität, mit der sich diese Firma auseinandersetzen will. Und darum geht es im Kern – es ist ja nicht eine x-beliebige Pressemitteilung, die da verrissen wird, sondern diejenigen, die sagen, genau solche Dinge kontrollieren zu können.
Und das ist der Punkt, wo sie meines Erachtens den Sattel für den Leibhaftigen aufgeschnallt haben. ich denke, viele haben es einfach satt, als Panikmache und neue Geschäftsfelder für Jung-PR missbraucht zu werden. Mit Bloggern reden ist nicht schwerer, als in einem Pub. Wenn man jemand anrempelt, sagt man sorry, wenn man sein Bier verschüttet hat, kauft man ein Neues, und wenn man dem beliebten Wirt das Fass klaut und dann sagt, das sei mit der Brauerei so ausgemacht, nachdem man das Lokal davor schon als Borze, die überwacht werden muss, bezeichnet hat – nun, dann sollte man vielleicht anfangen, nach dem Weg zur rettenden Tür zu suchen. Die ist hinter dem Wirt.
Oder gehen PRler nie in Kneipen?
April 13th, 2006 @ 17:41
Ach so, und: Brauchste´n Bildchen? ;-)
April 13th, 2006 @ 17:43
Doch, aber nur mit Journalisten. Die bleiben allerdings dann schlussendlich länger… ;-)
Genau das ist m.E. ein Problem, das noch immer viele – und eben auch viele PR’ler – haben: Wahrzunehmen, dass es eben keine Zielgruppe Blogger gibt, die ich mit irgendwie gearteten Pressemitteilungen oder Bloggermitteilungen angehen kann. Unter Bloggern kann man eben nur all jene zusammenfassen, die die entsprechende Technik nutzen. Bei vielen hören hier die Gemeinsamkeiten auf. Vom bloggenden Anwalt bis zur zwölfjährigen Schülerin ist alles dabei, und zumindest diese Mühe muss man sich doch machen können.
Das Pub ist doch das herrlichste Beispiel: Da sitzen sie an einem Tisch, die Blogger, schwadronieren und zechen. Wenn ich dazu kommen will, gut, dann frage ich höflich. Oder setze mich in die Nähe und kann mich vielleicht irgendwann einbringen. Oder werde sogar irgendwann mal angesprochen. Aber ein Foto von denen zu schießen und in die BU ein lässiges "Wir wissen, was dort gerade vor sich geht!" zu setzen…
April 13th, 2006 @ 17:44
Bildchen? Nee, nee, ich nehme einfach das Cover von diesem… Mist, wo ist das Ding denn… Von diesem Alfonso oder so…
April 13th, 2006 @ 20:43
[...] Da wäre erstmal der lustige Fall der PR-Profis/BlogMonitorer/Kommunikations-Profis, die beim Don ein Bildchen geklaut haben und jetzt demonstrieren, wie das so funktioniert mit Krisen-PR und Dialog mit bösen Bloggern (oder eben nicht), beim Don selbst hier, da und da, aber auch fachlich schön besprochen dort. [...]
April 14th, 2006 @ 16:54
Wäre dein Feed in meinem Rojo nicht defekt hätte ich mich auch gern beteiligt…
April 15th, 2006 @ 10:59
Und ich lese das auch erst jetzt? Naja. Geht ja irgendwann sicher weiter. Leider
April 18th, 2006 @ 08:03
[...] Die Suche nach diplomatischen Lösungen, die nach einer Kollerkommunikation durchaus angesagt wären, gestaltet sich weitaus komplizierter – dennoch, auch hierfür gibt es bereits Beispiele. [...]
April 18th, 2006 @ 18:56
[...] Eigentlich völlig unnötig … Warum ist Dialog so schwierig? [...]
April 19th, 2006 @ 08:27
Wege aus der Krise: Entspannt Euch!…
Kurz vor Ostern gab es beim hochverehrten Don Alphonso eine mittelgroße Treibjagd zu bestaunen. Zu erlegen galt es die Berliner Agentur Johanssen + Kretschmer in Gestalt zweier reichlich unvorsichtiger Mitarbeiter mit lustigen Vornamen. Soweit ich…
April 19th, 2006 @ 09:15
[...] Weil die Blogosphäre tatsächlich oft genug als Door-Opener à la “Da gibt es ein immenses Krisenpotential! Sie müssen vorbereitet sein!” genutzt wird, überschaue ich die Websites vieler Agenturen. Wie Djure, halte ich die Chancen, welche die Blogosphäre zu einem Dialog bereit hält für wesentlich bedeutender! [...]
Mai 2nd, 2006 @ 08:25
[...] Kompetenz durch Partizipation Zurück zum “PR-Bashing”: Ja, es ist teilweise nachvollziehbar, wenn sich Blogger A oder B über PR’ler echauffiert. Da wirbt Agentur X mit ihren ungeheueren Kenntnissen der Blogosphäre, weiß aber nicht, mit Blogger A umzugehen; Agentur Y zeichnet eine beängstigende Vision der bösen Blogger, die dem armen Unternehmen Z das Wasser abgraben, hat in ihren Reihen aber keinen einzigen Mitarbeiter, der aktiv in der Sphäre unterwegs ist. [...]
November 29th, 2006 @ 00:53
Vielleicht hätten Sie Jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt.
Dezember 6th, 2006 @ 10:26
[...] Ich habe ja selbst einmal den Dialog als den richtigen Weg aus der Krise “gepredigt”: Klingt einfach, klingt vor allen Dingen logisch – Kontakt aufnehmen, die offenen Punkte bereden, nachfragen, zuhören, und gemeinsam einen diplomatischen Weg suchen und gehen. [...]
Januar 9th, 2007 @ 11:22
[...] Ich habe selbst diesen Dialog als den richtigen Weg aus der Krise “gepredigt”. Einfach und logisch: Kontakt aufnehmen, offene Punkte bereden, nachfragen, zuhören, und gemeinsam einen diplomatischen Weg suchen und gehen. [...]